Von Bier über Wein zu Chacha: Georgien (9. Juni – 1. Juli 2016)

Die Landesgrenze zu Georgien bedeutet für uns einen Kulturschock: Überall gibts Casinos, Nachtclubs, Alkohol, Kühe auf der Strasse, eine Schrift, die wir nicht lesen können, eine Sprache, die wir nicht verstehen, … Spontan entscheiden wir uns, in Batumi ein Hostel zu suchen. Wir versuchen in diesem fremden Land anzukommen. Im Hostel treffen wir einen französischen und zwei deutsche Tourenfahrer und tauschen uns aus.

Aufgrund diverser Empfehlungen entscheiden wir uns, nicht wie geplant ostwärts zum Kleinen Kaukasus zu fahren, sondern in den Norden. Bis Poti führt die Strasse dem Meer entlang. Wir übernachten am Strand, baden und geniessen das sonnige Wetter. Richtiges Ferienfeeling! Die Umgebung ist grün und hügelig, die türkischen Schneeberge scheinen direkt aus dem Schwarzen Meer zu ragen und der Anblick von Kühen neben Palmen ist etwas ungewohnt. Wir umfahren Poti und passieren so ein hässliches Industriegebiet. Auf dem Weg nach Khobi durchqueren wir viele kleine Dörfer, die Gegend ist sehr ländlich: Auf den Strassen liegen Kälber, vor jedem Haus grasen Pferde, Esel, Hühner und Schweine. In den Gärten wachsen Mais, Haselnusssträucher oder sonst etwas.

Kurz nach unserer Mittagspause in Khobi werden wir von einem Polizeiauto angehalten. Wohin wir wollen? – Nach Mestia. – Oh, das sei die falsche Strasse, wir müssten in die andere Richtung fahren. Alles erklären, dass wir lieber Nebenstrassen benützen, hilft nicht, der Polizist versteht uns nicht. Sie könnten uns und unsere Velos auch aufladen und in die nächste Stadt fahren? Wir lehnen dankend ab und sobald sie weg sind, biegen wir – wie ursprünglich geplant – in die Nebenstrasse ein. Wir kommen aber nicht weit, hält die Polizei schon wieder. Wir beschreiben die geplante Route und da meinen sie, das gehe nicht, die Brücke sei kaputt. Aha, alle Brücken über all die Flüsse sind kaputt?!, fragen wir ungläubig. Der Polizist klärt ab und gibt uns drei Telefonate später grünes Licht. Aber unserer Sicherheit zu liebe, würden sie uns begleiten. Die besagte Brücke steht da, wie sie es schon die letzten 30 Jahre getan hat. Wasser hats auch nicht wahnsinnig viel, aber genug, um eine Badepause einzulegen. Die Ankunft bei der Brücke bedeutet auch Gebietswechsel und deshalb Wachablösung. Den neuen Begleiter freut es gar nicht, dass wir nicht sofort weiterfahren wollen. Und so geniessen wir die Abkühlung unter polizeilicher Beobachtung. Kaum sitzen wir wieder im Sattel kommt ein weiteres Polizeiauto und ein Polizist steigt aus. Unter seiner lässig über den Arm geworfenen Jacke blitzt das Gewehr im Anschlag hervor. Auch er stellt uns wieder die gleichen Fragen wie die vorherigen Polizisten und der Polizist am Telefon: Was wir denn arbeiten? Ob wir eine Arbeitsstelle hätten in der Schweiz? Wie hoch der Lohn sei? Wie unsere Wohnsituation aussehe? Die Alpen seien doch in der Schweiz; der Mt. Everest auch?… Wir werden mit Fragen durchlöchert. Wir wollen wissen, weshalb sie uns die ganze Zeit folgen. – It’s for your own safety. – Oh, ob es denn hier gefährlich sei? – Nein, ihr könnt fahren wohin ihr wollt. Können wir schon, aber Eskorte inklusive…
Die neuen Polizisten halten nicht so diskret Abstand und bei steilen Zwischenstücken fahren sie uns fast ins Füdli. Nachdem wir die letzte Steigung des Tages geschafft haben, machen wir Pause und es dauert nicht lange, steht die Polizei wieder neben uns. Wir könnten unser Zelt auf dem Polizeirevier in Zugdidi aufstellen, der Garten sei schön, ist ihr Vorschlag. Wir meinen, wir würden es uns überlegen (und denken: Gehts eigentlich noch?) und fahren in die Stadt. Wir würden jetzt zum Polizeiposten fahren, sagen uns die Polizisten. Wir wollen wissen, ob das unsere einzige Möglichkeit sei? – Yes. So diskutieren wir lange vor der Wache, weil wir weder Lust haben, unser Zelt in ihrem Garten direkt an der Hauptstrasse aufzustellen, noch mit ihnen in die nächste Stadt zu fahren, um dort im Polizeirevier zu zelten, noch in irgendein Hotel einzuchecken. Die Polizisten lassen sich nicht von ihrer Idee abbringen und eine Begründung für das ganze Theater erhalten wir weiterhin nicht. Langsam beängstigt uns die ganze Sache. Schliesslich bitten wir deshalb um ein Telefon, damit wir die Schweizer Botschaft in Tblisi anrufen können. Keine Minute später lassen uns die Polizisten stattdessen ziehen. Mit einem mulmigen Gefühl fahren wir weiter, um einen Schlafplatz ausserhalb der Stadt zu finden.

Nach einer ruhigen Nacht machen wir uns auf den Weg in Richtung Jvari. Bei einer Tankstelle pausieren wir kurz und entdecken prompt ein weisses Polizeiauto. Als wir weiterfahren folgt uns das Fahrzeug erneut in sicherem Abstand. Wir haben genug und rufen die Botschaft an. Da heisst es, die Angelegenheit sei etwas ungewöhnlich. Noch während wir telefonieren hält die Polizei gleich nebenan. Die Botschaft ruft anschliessend die Ordnungshüter an und von da an folgt uns keine Patrouille mehr (auf jeden Fall nicht offensichtlich). Endlich können wir wieder etwas ruhiger werden und den strengen Weg nach Mestia in Angriff nehmen.

Die Strasse führt im albanischen Stil (auf, ab, auf, ab, …) durch ein Tal, dessen Fluss wir immer wieder gleich neben uns, dann tiefen unter uns haben. Es ist super heiss von morgens bis abends. Bei einem Restaurant winkt uns David zu sich. Was wir trinken wollen? Das Kaffee-Angebot nehmen wir gerne an. Kaum ist der Kaffee serviert, wird auch die 2l-Bierflasche geöffnet. In grossen Schlücken leert er seine Gläser und füllt immer gleich alle wieder auf. Davids Frau serviert Kubdari, ein mit Fleisch gefülltes Fladenbrot, welches rassig gewürzt ist – eine Spezialität dieser Region, Swanetien. David meint, wenn die Flasche leer sei, können wir weiterfahren. Phu, zum Glück trinkt einer seiner Freunde noch zwei Gläser… Das Tal ist eng und die Suche nach einem Zeltplatz schwierig. Wir fragen bei ein paar Georgier nach einem Tipp, worauf sie uns ihre Arbeiter-Hütte am Fluss überlassen.

Die Strasse nimmt kein Ende und das ewige Auf und Ab zehrt an unseren Kräften. Bereits nach einem Drittel der Strecke, wissen wir nicht, wie wir den Rest heute noch schaffen sollen. Einkaufsmöglichkeiten gibts auch nicht gross: Kleine Läden bieten mehr Bier als Wasser an und auch sonst ist das Sortiment eher auf eine kleine Zwischenverpflegung für die Touristen in den Minibussen ausgelegt. Bald weitet sich das Tal etwas. Kühe und Pferde weiden, wo sie kein Zaun aufhält. Abends um 19:00 erblicken wir die für Swanetien so typischen Wehrtürme und erreichen endlich Mestia.

Wir sind so richtig erschöpft und legen einen Ruhetag ein. Lange halten wir es am Morgen im Zelt aber nicht aus, es wird zu heiss. Umgeben von schneebedeckten 5000gern und ein paar weniger hohen, bewaldeten Gipfeln erinnert uns die Szenerie an die Schweizer Alpen. Wir finden eine Bäckerei, die Tonis Puri herstellt – eine Art Fladenbrot, welches in einem speziellen Steinofen gebacken wird (der Teig wird an die heisse Wand geklatscht). Suuuuperfein! Auch die Auberginen mit Nuss-Käse-Füllung und Sämys gulasch-ähnliches Gericht schmecken uns gut.

Als nächstes wollen wir Ushguli erreichen, angeblich das höchste dauerhaft bewohnte Dorf Europas, welches auf über 2000m.ü.M. liegt. Zu bewältigen sind 500hm bis auf den ersten Pass, ab dann wird die Strasse schlecht und wir verlieren die eben gemachte Höhe wieder. Aufgrund des einsetzenden Regens wird die Fahrt auf der Naturstrasse zu einer richtigen Schlammschlacht. Ganze Bäche fliessen immer wieder über die Strasse, Seen bilden sich in den tiefen Löchern. Die zweiten 500 Höhenmeter werden so um einiges anstrengender. Hinzu kommt, dass uns die Sicht auf die wunderschöne Berglandschaft verwehrt bleibt. Immerhin erhalten wir einen Begleiter: Ein streunender Hund folgt uns über 30km. Vollkommen durchnässt kommen wir in Ushguli an und finden ein hübsches Zimmer bei Becha. Der Holzofen in der Küche wärmt uns auf und trocknet unsere nassen Kleider.

Nachdem wir bis am Mittag ausgeschlafen haben, machen wir uns auf den Weg zum Fusse des höchsten Berges Georgiens (Mt. Shkhara, 5068m.ü.M.). Zum Glück haben wir die Velos im Dorf stehen gelassen: Der Wanderweg verläuft unklar durch eine Sumpflandschaft, und Bäche mit Wasser bis zu den Oberschenkeln gilt es zu durchwaten. Wir kommen nicht vom Fleck und als es wieder zu regnen beginnt, sinkt unsere Motivation, den Gletscher zu erreichen. So kehren wir um. Auf dem Rückweg gibt es einen kurzen Moment trockenes Wetter, welches uns erlaubt, einen Blick auf die eindrückliche Bergkette zu erhaschen. Das wars dann aber auch schon wieder mit gutem Wetter.

Wir sind froh, regnet es heute Morgen nicht. Wir haben Respekt vor der schlechten Strasse, auf der wir die nächsten 60km fahren wollen. Bis zum Pass auf 2600m.ü.M. ist der Untergrund aber verhältnismässig gut. Die Abfahrt wird dann eine grössere Herausforderung: Es geht über grosse Steine, durch Bäche und Schlaglöcher so breit wie die Strasse und bis zu den Velotaschen gefüllt mit Wasser. Und das alles steil abwärts. Sechs Autos wagen dieses Abenteuer ebenfalls und kreuzen uns (inkl. Bus mit Platten… :-/). Durch die Dörfer besteht die Strasse hauptsächlich aus Schlamm (vermischt mit Kuhmist). Für Sämy’s noch ganzen Lowrider ist die Belastung nun auch zu gross und er bricht. Nach fast 7.5 Stunden im Sattel erreichen wir Lentekhi, wo wir erschöpft aber glücklich über die anspruchsvolle, schöne Route in einem Guesthouse die Nacht verbringen.

Als wir auf die asphaltierte Strasse gelangen, wird die Landschaft eindrücklich schön. Felsen, bis auf den äussersten Fleck mit Tannen bewachsen, flankieren das Tal. Wir kommen nicht weit, rufen uns Motorrad-Touristen am Strassenrand zu sich. Wir trinken Kaffee und plaudern eine Weile. In Tsageri essen wir Zmittag und treffen anschliessend ein französisches Ehepaar mit ihren Tourenvelos an. Wir tauschen uns etwas aus, bevor wir uns wieder auf die Sättel schwingen. Kurz vor unserem heutigen Aufstieg lernen wir Maria und ihre Familie kennen, die uns mit Lobio (Bohnensuppe), Brot und einer Flasche Wein versorgt. Wir verabschieden uns und keinen Kilometer später winken uns Nika und seine Freunde zu ihrem Picknick. Eigentlich wollen wir endlich etwas vorwärts kommen, aber sie lassen sich keinen Korb geben. Wieder gibts zu Essen und Wein. Dieser wird im 10-Liter Fass aufbewahrt und nicht genüsslich Schluck für Schluck getrunken, sondern in einem Mal gestürzt. Nach weiteren drei Gläsern Wein wird der Aufstieg unglaublich hart. Es ist heiss und der Alkohol fährt ganz schön ein…
Um 19:00 erreichen wir den Eingang der Prometheus-Höhlen und stellen fest, dass sie jeweils nur bis 18:00 offen sind. Wir können den Besuch auch nicht verschieben, denn morgen sind sie geschlossen. Die Enttäuschung ist gross. Der Security öffnet schliesslich das Gatter und lässt uns aufs Gelände. Aber keine der Türen ist mehr offen. Kurzerhand steigen wir über die Absperrung neben dem Eingangsgebäude und gelangen so in die Höhle. Doch schon in der ersten Halle werden wir von Arbeitern zurückgeschickt. Schade! Zumindest einen kleinen Einblick in die eindrückliche Höhlenwelt haben wir so trotzdem erhalten. Auf dem Weg nach Kutaisi dunkelt es ein und wir erreichen um 22:00 ein Hostel hoch über der Stadt.

Unser Plan ist es, so bald als möglich nach Tblisi zu kommen. Nur wissen wir nicht, für welche Möglichkeit wir uns entscheiden sollen. Wir schlafen etwas aus und treffen im Hostel zwei polnische Tourenfahrer, mit denen wir den ganzen Nachmittag und Abend verbringen. Der Hostelbesitzer, der eigentlich ein ausgebuchtes Haus hat, überlässt uns sein Schlafzimmer. So kommen wir immerhin zu vier Stunden Schlaf.

Um 3:15 klingelt unser Wecker und knapp zwei Stunden später lösen wir ein Ticket für je 4 Lari (2 CHF) und es beginnt die Fahrt im fast leeren Zug. Gemütlich rattert er durch die Landschaft und füllt sich mit zunehmender Fahrtdauer. Mehr und mehr Menschen drängen sich in die Gänge. Nach sechs Stunden erreichen wir dann endlich den Bahnhof von Tbilisi. Wir suchen einen Park mit Kaffee, damit wir uns mit unserem Warmshowers-Gastgeber verabreden können. Es ist furchtbar heiss und wir sind froh, finden wir ganz in der Nähe seiner Wohnung eine hippe Bar. Sabine hat wohl etwas schlechtes gegessen und wird vom Durchfall so geschwächt, dass sie es fast nicht bis zur 500m entfernten Wohnung schafft.

Wir nehmen die folgenden Tage gemütlich und erholen uns. Die Hitze lässt alles noch etwas anstrengender erscheinen und wir hängen faul in Parks (von denen es in Tbilisi viele gibt) und zu Hause rum. Abends probieren wir die georgische Küche: Sämy bestellt sich eine Art Gulasch und dazu Khachapuri (ein Brot, gefüllt mit Käse und Gemüse), wir essen Khinkali (Teigtaschen) gefüllt mit Käse oder kochen selbst etwas.

Als die Sonne wieder einmal Vollgas gibt, wollen wir im Tbiliser Meer (einem Wasserreservoir hoch über der Stadt) schwimmen gehen. Die Höhenmeter lassen sich ohne Gepäck etwas leichter bewältigen, aber dank der Hitze kostet es uns doch einige Schweisstropfen. Endlich angekommen, verschwindet die Sonne hinter den Wolken und bald zieht ein Gewitter auf. Es windet und regnet unglaublich stark und horizontal. Wir suchen Schutz in einem Busch, sind aber nach kurzer Zeit pflotschnass… So kehren wir mit unverspiesenem Picknick in der Tasche und ohne Baderlebnis wieder um.

Nun ist der Tag gekommen, an dem wir unser Iran-Visum beantragen wollen. Wir fühlen uns, wie wenn wir an eine Prüfung gehen und nicht recht wissen, was uns erwartet… Und wie auf gewissen Webseiten hingewiesen wird, will der Typ 100€ pro Person (anstelle der 50€ nach offiziellen Angaben) und zwar in 1h bar auf die Hand. Phu, wir haben uns ja eigentlich darauf eingestellt, aber irgendwie trotzdem nicht so Lust, bei dieser Gaunerei mitzuspielen… Wir kriegen nur Dollar und versuchen, 150$ für beide zu bezahlen. Das akzeptiert er nicht (für eine Person wäre es ok gewesen ;-)) und verlangt, wir sollen zur Wechselstube fahren. Nach einigem Diskutieren können wir wenigstens aushandeln, wie üblich per Banküberweisung zu bezahlen. Wir verlassen die Botschaft und beschliessen, unsere Agentur zu kontaktieren. Für das Visum wird von den meisten Botschaften eine Referenznummer verlangt. Eine Agentur organisiert diese gegen Entgelt und sie wird an die gewünschte Botschaft geschickt. Wir fragen an, ob wir unsere Nummer nach Yerevan weiterleiten können, da dort Anträge anscheinend unkomplizierter sein sollen. Das Wochenende und der iranische Feiertag am Montag lassen viel Zeit verstreichen, bis wir die Antwort erhalten: Die Nummer sei organisiert. Wir verhandeln die Kosten dafür und bevor wir etwas bezahlt haben erhalten wir eine neue Referenznummer.

Die Tage vergehen wie im Fluge und wir passen uns an den tbiliser Rhythmus an: Morgens lange ausschlafen und erst spät ins Bett gehen. Sämy investiert viel Zeit in die Reinigung und Reparatur seines Fahrrades: Der Freilauf kratzt und blockiert z.T. nicht mehr und so wird er komplett zerlegt. Das Spezialtool welches dafür benötigt wird ist nach langer Säge- und Feilarbeit aus einem Eisenrohr hergestellt. Und da es in Georgien keine Lowrider zu kaufen gibt, bastelt Sämy erneut selbst einen aus Armierungseisen. Selbstverständlich kommt auch etwas Sightseeing nicht zu kurz. Wir fühlen uns superwohl in der Stadt und geniessen es, wieder einmal länger dasselbe Zuhause zu haben. Auch können wir mit David auf schweizerdeutsch plaudern. Er ist mit seinem Elektroliegevelo und Solaranhänger unterwegs und ebenfalls bei Tamaz einquartiert.

Unser Warmshowers-Gastgeber verreist für einige Tage nach Baku. Dank unabgeschlossenen Türen kommen seine Freunde trotzdem in seine Wohnung – Guesthouse Tamaz, wie sie genannt wird. Wir verbringen einen lustigen Abend mit ihnen und werden am nächsten Tag promt zum Supra (georgisches Festessen) eingeladen. Die Tafel wird vom Tamada geleitet. Er spricht immer wieder einen Toast aus – zuerst auf die Familie, dann die Liebe, Georgien, die Kinder, verstorbene Freunde, die Frauen, … Glücklicherweise hält er sich bei uns kurz, denn so eine Rede kann anscheinend auch mal 45 Minuten dauern. Danach stürzt man das Glas Chacha (hochprozentiger Grappa) worauf es sofort wieder vom Melikhite – der rechten Hand des Tamada – aufgefüllt wird. Nachgespült wird mit Cola, und als diese Flasche leer ist, mit Bier. Zwischendurch singen unsere Gastgeber immer wieder wunderschöne, traditionelle georgische Lieder. Müde und zufrieden fallen wir gegen Morgen in die Betten in der eigens für diesen Abend gemieteten Wohnung.

Langsam aber sicher zieht es uns weiter und wir verlassen Tbilisi in Richtung armenische Grenze. Der Wind und die Hitze machen unseren ersten Velotag seit fast zwei Wochen anstrengend. Während wir die Grossstadt hinter uns lassen, eröffnet sich uns eine herrliche Landschaft mit sanften Hügeln und bunten Blumenwiesen. Doch plötzlich spinnt Sabines Kette: Auch bei ihr läuft der Freilauf nicht mehr wie er sollte – ihr Velo wird spontan zum Fixie. Die Schlammfahrten durch Swanetien waren wohl Gift fürs Material… Etwas Reinigung von aussen bringt nur kurzzeitige Besserung. Damit haben wir nicht gerechnet und Sämys selbst gebasteltes Werkzeug zum Öffnen des Freilaufs natürlich bei unserem Gastgeber in Tbilisi gelassen… Wir können dennoch den Freilauf entsperren, doch muss Sabine fortan die ganze Zeit – auch bergab – pedalen.

Auf den letzten Kilometern auf georgischem Boden werden wir noch leicht verregnet, was dank der Hitze eine willkommene Abkühlung ist. Ruckzuck lassen uns die georgischen Grenzbeamten ausreisen (so können sie schneller zum Candycrush-Spiel auf dem Telefon zurückkehren) und schon sind wir in Armenien angekommen.

4 thoughts on “Von Bier über Wein zu Chacha: Georgien (9. Juni – 1. Juli 2016)”

  1. Wow, that is quite the adventure! Rose and I are very happy for you and pray that you stay safe (and no one follows you).

    We are on to Switzerland now from the 10-16th of September.

    Miss you and keep blogging

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