Angekommen in Italiens Frühling: Chiavenna – Triest (11. – 18. März 2016)

Auf dem Weg nach Chiavenna wechselte die Jahreszeit. Endlich konnten wir in einer Pause nicht Kleiderschichten an-, sondern ausziehen! Wie gut uns diese Wärme tat 🙂
Bald ging es zum Comersee. Glücklicherweise hatte einer der Campings schon geöffnet und wir genossen eine warme Dusche. Eingekesselt in Schneeberge, und wieder warm eingepackt, kochten wir ein feines Znacht.

Die Route am Comersee entlang, führte uns bis Lecco durch viele bunte Dörfer mit Pflasterstein-Strassen. Bei frühlingshaft warmen Temperaturen beradelten wir Italiens Fahrradwege in der Lombardei etwas abseits der verkehrsreichen Strassen. Über holprige Feldwege gings Richtung Bergamo. Da es schon später am Nachmittag war, entschieden wir uns, noch vor der Stadt einen Schlafplatz zu suchen. Diesen fanden wir im Grünen, etwas abseits des Dorfes Ponte San Pietro.

Das Ortsschild von Brescia war nicht zu übersehen. Aber dass wir, navigiert von unserem GPS, plötzlich mitten in der Altstadt landeten, hatten wir nicht erwartet. Und so drehten wir noch eine Zusatzrunde durch das historische Zentrum. 🙂
Unsere dritte Nacht in Italien verbrachten wir am Gardasee. Es waren harte letzte Kilometer bergauf, bis wir endlich den See erblickten (zuvor hatte Sämy bei jedem Hügel gemeint, dahinter müsse er sein…). Doch endlich angekommen, trafen wir nur auf Campings in Winterpause. Schon befürchteten wir, wir müssen die ganze Küste abfahren, als plötzlich ein Schild zu einem Zeltplatz auftauchte, welcher nicht auf unserer Karte eingetragen war. Und so schlugen wir unser Zelt auf einem Camping auf, der gleichzeitig auch Gärtnerei ist. 🙂

Unser Mittagess-Timing des nächsten Tages passte perfekt, kamen wir doch gerade im wunderschönen Verona an. Wir schnappten uns die letzte freie Bank im Park und beobachteten amüsiert die vielen Menschen beim Posieren, denen der Brunnen vor uns als Selfie-Objekt diente. Der Charme dieser Stadt hat uns in den Bann gezogen und wir beschlossen, irgendwann wiederzukommen.
Weiter gings auf einer Schnellstrasse in Richtung Vicenza. Die Gegend war nicht sonderlich schön, die besten Zeiten lagen angesichts der vielen zerfallenen und verlassenen Gebäude wohl schon länger zurück…
In Italien einen geeigneten Schlafplatz zu finden, war gar nicht so ein einfaches Unterfangen: Felder, soweit das Auge reichte, machten verstecktes Campieren praktisch unmöglich. Auf unserer Karte hatten wir bei Valmarana grüne Flächen ausgemacht, was sich als geeignetes Stück Wald entpuppte. Allerdings mussten wir es uns hart verdienen, denn es lag auf einem steilen Hügel. So gingen die letzten (Höhen-)Meter ziemlich in die Beine.

Unsere 10. Etappe sollte uns nach Venedig bringen. Die schöne Strecke führte uns einem Kanal entlang, der unsere Vorfreude auf die Inselstadt steigen liess. In Mestre, der Stadt auf dem Festland vor Venedig, stellten wir unser Zelt für drei Nächte auf. Dort trafen wir auf zwei weitere Tourenfahrer mit Ziel Asien. Es war spannend sich das erste Mal mit Gleichgesinnten zu unterhalten: Das Material wurde verglichen, die Visa-Einholstrategien ausgetauscht. Leider ging es am nächsten Tag für Raphael alleine weiter, da Charlie aufgrund anhaltender Knieprobleme nach nur zwei Wochen abbrechen und heimfliegen musste. Wir waren dankbar, unsere anfänglichen Beschwerden praktisch vollständig losgeworden zu sein!

Zwei Tage machten wir als Touristen die Stadt Venedig unsicher. Für einmal absolvierten wir die Kilometer zu Fuss – das Velo brachte uns nur vom Camping zum Stadteingang und zurück. Wir schlenderten durch die verwinkelten Gassen und über die unzähligen Brücken und liessen das Flair und die Eindrücke dieser Stadt auf uns wirken. Ein Panino und ein Stück Pizza zum Zmittag, Gelati und Espressi gehörten natürlich dazu. Wobei prompt eine Möwe Sämys Pizzastück strittig machte: Schwups schnappte sie ihm im Flug das Stück aus der Hand. Aber das liess sich Sämy natürlich nicht gefallen und holte sich rasch sein Mittagessen zurück.

Mit frischen Beinen und bei sonnigem Wetter kamen wir am nächsten Tag gut voran. Doch nach wenigen Kilometern wurden wir abrupt gestoppt: Sämys Felge war gebrochen… Ohjeh, das können wir nicht flicken und brauchen Ersatz! Zum Glück sind die Italiener ein solches Velovolk, der Zufall wollte es, dass das erste Haus des nächsten Dorfes ein Velogeschäft beherbergte. Natürlich war gerade Siesta, so dass wir noch Zeit hatten, in der Nachbarsbar ein Bierchen zu trinken, um die Nerven zu beruhigen. Der Velomech zauberte dann ein altes Laufrad aus dem Keller, welches Sämy ruckzuck montierte. Erstaunt kam der Mech wieder zu uns und meinte zu Sämy, er solle in seiner Werkstatt arbeiten kommen und die Tour nach Asien doch sein lassen 😉

Am nächsten Tag sassen wir schon früh im Sattel, denn wir wollten die verlorenen Kilometer vom Vortag wettmachen und abends Triest erreichen. Die bisher flache italienische Landschaft änderte sich plötzlich und es wurde hügelig und waldig. Kurz vor Triest machten wir eine Pause am Meer und suchten nach Übernachtungsmöglichkeiten. Der Entscheid fiel auf einen Camping hoch über Triest. Meine Güte waren diese 350 Höhenmeter hart. Sabine verfluchte die Personen, denen es in de  Sinn kam, soooo unendlich steile Strassen zu bauen. Velofahrer schienen dies nicht zu sein…

Nur wenig Erholung fanden unsere Muskeln in der Nacht. So machten wir uns am Folgetag als Erstes in Triest erneut auf die Suche nach einem Velogeschäft. Sämys neue Felge ist nämlich nur eine Zwischenlösung und wird der Belastung der kommenden Monaten kaum standhalten. Leider mussten wir das Geschäft mit leeren Händen verlassen. Stattdessen fanden wir direkt vor seiner Türe einen Veloweg, der uns zwar mit altem Rad, aber ohne viel Steigung (denn Sabines Beine waren noch schwer…) aus der Stadt brachte. Franco verriet uns seinen Geheimtipp, wie wir auf verkehrsarmem Weg nach Slowenien und Kroatien kommen. Der sympathische Triester und seine Partnerin aus Rom waren ebenfalls mit dem Velo auf einem Ausflug unterwegs und sprachen uns spontan an. Nach ein paar Selfies verabschiedeten wir uns von ihnen und machten uns auf Naturweg mit wunderschönem Ausblick auf in neue, unbekannte Länder.

2 thoughts on “Angekommen in Italiens Frühling: Chiavenna – Triest (11. – 18. März 2016)”

  1. Schön vo euch z läse, i freu mi scho uf die nägste biträg:D do kunnt de früehlig langsam au, am samstig gangi abr s erst und letstmoll in dere saison no go skifahre;) machets witerhin guet!

    1. Und scho hets mehr Läsestoff gä! 🙂
      Mir sin hüt uf einigi duzend M.ü.M. abgfahre und do isch alles saftig grüen und blüeht. Jez hoffe mr, dr Winter definitiv hinter is gloh z ha!
      Hoffentlich hesch e guete Skidag gnosse?!
      Schön, vo dir z ghöre und au ganz e gueti Zit.

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